Dösend
Dösend und vollgefressen liege ich neben dem auf den letzten Krümel geleerten Futternapf und träume vor mich hin. Das nahende Motorgeräusch kommt mir bekannt vor. Mein Frauerl mit den kleinen Nervensägen kommt heim. Nun kommt wieder Leben in die Bude. Meine halben Menschen werden mir beim Essen wieder heimlich ein paar Brocken unter den Tisch fallen lassen. Deren Mutter und zugleich mein Frauerl verbietet es, was sie aber nicht davon abhält mir trotzdem heimlich was abzugeben. Hmmmm.. ich liebe Heimlichkeiten. Vor Vorfreude auf meine Menschen und die damit verbundenen Leckerlis, setzte ich mich brav wartend vor die Türe. Die halben Portionen (meine besten Freunde- Peter 5 Jahre und Cornelia 7 Jahre) riefen mich schon von weitem. Coraaaa, Coooraaaa , schau was wir dir mitgebracht haben. Ich platzte vor Neugier. Was war in der Schachtel? Es roch so gar nicht nach Schinken oder Fleisch. Es roch nach…. Schon öffneten meine kleinen Freunde die Schachtel und heraus kam eine halbe Portion Katze. Mein Frauerl, meine kleinen Freunde und sogar das Herrli kümmerten sich nur mehr um den "Kleinen".

"Ach ist der nicht niedlich" riefen meine kleinen Freunde verzückt. Innerlich schrie ich, dass ich auch mal so niedlich und klein war. Dem Kleinen wurden Leckerlis hingehalten. Mein Frauerl erinnerte sich plötzlich an mich und hielt mir auch ein Stückchen Schinken vor die Nase. Natürlich lehnte ich ab. Ich musste doch meiner Familie zeigen wie eifersüchtig ich bin. "Na gut dann nicht". Nahm das Stück und gab es dem Kleinen. So eine Frechheit, nun kommt "er" auch noch zu mir. Nach stundenlangen Überlegungen gaben meine Familie meinem Nebenbuhler den Namen "Ginger". Nicht nur, dass er schon mein Klo benützt hat, nein, nun wagt er sich auch noch zu mir her. Meinen ganzen Kummer und Zorn verspürte Ginger in Form einer Watsche. So, nun werden meine Menschen endlich merken, dass ich mich vernachlässigt fühle. Mein Frauerl kam her, schlug mir auf den Popo, nahm den Kleinen zärtlich hoch und gab ihn ins Kinderzimmer. "Halt, das ist mein Revier". Bei den Kindern schlief ich jede Nacht- bis heute. Alle gingen zu Bett. Die Türen wurden geschlossen. Ich blieb alleine im Wohnzimmer zurück. Einsam und traurig dachte ich nach wie ich die Liebe meiner Menschen zurückgewinnen konnte. Ich musste ihnen doch zeigen, dass ich traurig bin.

Aber wie?????

Ich hatte eine Idee. Ich kackte vor die verschlossene Kinderzimmertüre indem sich nun der Kleine an meine Freunde schmiegen darf. Das können sie nicht übersehen. In der Hoffnung auf frühere, alte Zeiten schlief ich ein.

"Da schau dir das an". Das Geschrei meines Frauerls weckte mich samt dem Rest der Familie. Während Herrli versuchte für mich Partei zu ergreifen und seine Frau zu beruhigen, die hysterisch schreiend mit Putzlappen und Papier meine Hinterlassenschaft beseitigte, kamen die kleinen Freunde ebenfalls streitend aus dem Zimmer. Aber sie wollten mich nicht in Schutz nehmen, wie ich anfänglich gehofft hatte, sondern sie stritten sich um Ginger. Wer ihn wann halten darf und in welchem Bett er liegen soll. "Heeeee, ich bin auch noch da. Haaalllooo, sieht mich den keiner?" Diesmal fiel vom Frühstückstisch auch nichts für mich ab. Frauerl war mir noch böse wegen meiner "Nachricht" und meine ehemaligen kleinen Freunde haben mich vergessen. Herrli räumte schnell das Schlachtfeld.

Tag für Tag setzte ich nun Zeichen, dass ich unglücklich bin in Form von Kot- und Urin Nachrichten. Ich markierte über die Sachen wo Ginger war. Aber umso mehr ich verzweifelt versuchte die Liebe meiner Menschen zurückzugewinnen , umso böser wurden sie mit mir. Eines Abends wurde Familienrat abgehalten. Herrli erkannte mein Problem und verteidigte mich. Doch Frauerl und meine früher "allerliebsten kleine Freunde" wollten mich aus dem Hause haben. Das kann doch nicht sein. Sie entschieden sich für Ginger. Ohh , wie ich ihn hasste.

Man brachte mich zusammen mit meinem alten Kratzbaum (ein neuer für den Kleinen war schon gekauft) zu Sissi und deren vielen Katzen. Ich wurde in ein eigenes Zimmer gesperrt. Wieder alleine. Ginger wird nun meinen Platz einnehmen. Ich wollte nichts mehr fressen, nicht mehr leben. Sissi kam oft zu mir, streichelte mich und versuchte mich zu trösten. Trotzdem, dass sie so viele Katzen im Hause hat, gab sie mir das Gefühl ihr wichtig zu sein. Nach etlichen Tagen verlor ich meinen Missmut und verliebte mich erneut- in Sissi. Nun war es zeit die Türe zu öffnen. Ich hatte Angst vor so vielen Katzen, merkte aber bald, dass alle ganz lieb sind. Das Leben hier ist ganz anders als in meinem früheren Daheim. Lebhafter und turbulenter. Niemals wollte ich auf ein fremdes Klo gehen, niemals. Wenn damals der Kleine drauf war, ging ich prinzipiell daneben. Und nun muss ich das Klo teilen. Bei Sissi aber kann ich nicht danebengehen, denn ich muss vor meinem Flirtobjekt eine gute Figur machen. Hab den stolzen und dennoch durchtriebenen und immer zu Streichen aufgelegten Kater in meine Katzenaugen gefasst. Titus hat wunderschönes rotes Haar und einen kräftigen Körper. Auch er scheint sich für mich zu interessieren.

Monate zogen ins Land und ich denke eigentlich nur selten mehr an mein früheres Daheim. Vielleicht wäre ich damals mit dem Kleinen auch so gut Freund geworden wie heute mit Titus. Aber man gab mir keine Chance. Hätte man mir gezeigt, dass der Kleine kein Ersatz für mich sein soll, sondern ein Partner für mich und wären wir beide gleichermaßen aufmerksam behandelt und verwöhnt worden, hätten wir doch eine idyllische Familie abgeben können. Hier geht es ja auch. Ich hätte nur mehr zeit gebraucht, mich an den Kleinen zu gewöhnen.

Heute bin ich hier zuhause wie die vielen anderen Katzen auch und daher auch schon daran gewöhnt wenn eine neue Katze ins Haus kommt. Als Sissi eines Tages mit einem Neuzugang durchs Wohnzimmer ging, spähte ich in den Transporter. Ich erkannte sofort den "Kleinen", der mittlerweile ein Großer war. Aber seine Fellfarbe war unverkennbar. Ginger erkannte mich nicht. Er saß im letzten Winkel zusammengekauert und zitterte wie Espenlaub. Seine angstgeweiteten Augen waren riesengroß aufgerissen. Ich verspürte keinen Hass mehr ihm gegenüber, sondern nur Mitleid.

Er kam in das Extrazimmer wo er sich eingewöhnen kann/muss. Wenn es Zeit ist und die Türe aufgeht, werde ich ihm helfen sich hier einzugewöhnen. Werde ihm die bevorzugten Platzerl an der Sonne zeigen und und….

Sissi hat von unserem Ex-Herrli erfahren, dass seit meinem Rauswurf nur mehr gestritten wurde. Er hat es nicht verkraftet, wenn die Kinder samt der Frau sich heuchlerisch um den Kleinen bemühten und sich nicht einmal nach mir erkundigten. Er tat es aber in regelmäßigen Abständen und erfuhr auch, dass ich mir soooo schwer tat. Mein Herrl litt sehr darunter und seitdem verging kein Tag ohne dass hässliche Worte gefallen sind. Das war dann auch der Grund, dass Ginger ebenfalls sein Daheim verloren hat. Ein Hund hielt statt ihm nun Einzug. Für wie lange?????? Am besten ist es, wenn man sich schon bald um einen Platz für den Hund umsieht. Denn erst wenn die Menschen mit dem Herzen denken, wird ein Tier dort den Platz für immer haben.
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