Alltag im Tierheim
Half Sissi beim Kochen. Und danach natürlich auch beim Essen. Versuchte das verlockende Knöderl zu erhaschen. Mit den Krallen gelang es mir dieses aus dem Teller zu befördern. Leider war da eine Soße dran. Diese musste ich von meiner Pfote wegbringen. Das gelang mir nur unter Schütteln meiner Pfote. "Pfui, du Schweindl, schau wie wir nun aussehen", sagte Sissi entgeistert. Ihr ehemaliges helles Oberteil war nun mit rötlichen Punkten versehen. Was uns natürlich total kalt ließ. Charly erwischte eine Karotte. Er weiß, dass er keine mag, aber probiert es immer wieder . Gundi hingegen liebt Karotten. Sie holte sich auch sogleich eine aus Sissis Teller. "Mit euch essen ist eine Plage" sagte Sissi und sah zu Franzi der stehend seine Mahlzeit zu sich nahm. Er rechnete aber nicht mit unserer wendigen "Süssen", die immer und von überallher auf die Schulter kommt.

Von dieser spähte sie in den Teller Franzi´s , der ihren Kulleraugen nicht widerstehen konnte und ihr etwas abgab, wodurch sein Hemd auch rötlich eingefärbt wurde, weil die Süsse sich den Bissen auf diesem zurechtgelegt hat. Müde vom Kampf ums gemeinsame Essen lagen wir alle faul herum. Beachteten Franzi nicht als er aufstand. Er versuchte ganz leise den Kühlschrank zu öffnen um sich einen Pudding zu nehmen. Menschen!!!

Wissen die denn immer noch nicht, dass wir um etliches besser hören, als die???? Ein paar Kumpels schlafen noch, aber die meisten waren schon um Franz herum und starrten auf den Pudding. Auch diesen versuchte er stehend zu essen. Hatte aber nicht mit Elvis gerechnet, der sich an seinem Hosenbein Richtung Pudding hochzog. Ihm folgte Zorro sogleich. Dieser nahm den anderen Fuß zu Hilfe. Etliche Kumpels samt meiner Wenigkeit saßen mit riesigen Augen herzzerreißend vor seinen Füßen. Wer will raten- wer hat gewonnen? Natürlich wir!

Aber eines muß ich schon sagen, ihr Menschen esst viel zu hastig und nehmt euch keine Zeit für ein gemütliches, gemeinsames Mahl. Setzt euch nicht gemütlich an einen Tisch, sondern schlingt das Essen hastig im Stehen. Nehmt Euch ein Beispiel an uns. Im Gegensatz zu euch Menschen genießen wir unser Essen und nehmen uns auch zeit dafür.

Besuch - juchhuuuuu

Juchhuuu, heute wird wieder das Bett frisch überzogen. Ich half Sissi beim Bettenmachen. Wetzte mit Moritz über die Matratze in der Absicht, die Ecken des Leintuches zu fassen. Waren gerade beim Kopfpolster überziehen angelangt, hängte mit den Krallen noch in diesem, als es klingelte. Einige Kumpels machten es sich in dem halbfertig überzogenen Bett bequem, während etliche von uns mit Sissi die Stiegen runter rannten um zu sehen wer der Besucher war. Es kommen meist nur zweierlei Leute in Betracht. Entweder sind es die gaaaaaanz netten, die außer viele Streicheleinheiten noch Leckerlis für uns mithaben, oder solche, die uns wieder einen neuen, armen Kumpel vor die Nase setzen. Diesmal aber täuschte ich mich.

Es war Frau T. Kaum hat Sissi die Türe geöffnet, kam sie auch schon mit süßlicher Stimme herein und rief "Babsi, Baaaabsi, Babsilein, Babsili". Sissi erzählte ihr, dass Babsi im frisch überzogenen Bett liegt. Frau T. schlich die Treppen hinauf um einen Blick auf Babsi erhaschen zu können. Aber diese war schon lange nicht mehr auf dem Bett. Ich erspähte Babsi unter dem Bett. Leider kam auch Frau T. auf die Idee unter das Bett zu spähen. Ich machte es mir neben Babsi bequem (ganz Kavalier) Frau T. probierte die üblichen Tricks aus. Das ist nun schon zum x-ten mal wo sie das versucht. Ein Ball rollt vor unserer Nase auf und ab, eine Schnur tänzelte vor unserer Nase herum und das verlockende Ende der Schnur tänzelte immer mehr Richtung Fr. T`s Nase.

Frau T. lag nämlich am Boden und keuchte immer wieder Babsi, ach Babsili komm doch zum Fraudi". Babsi hatte keineswegs die Absicht und ignorierte sämtliche Bestechungsversuche von ihrer früheren Besitzerin. Fr. T. stand auf, wir dachten schon, dass sie resigniert, da flog auf einmal ein Stückchen Wurst Richtung Babsi. Aber ich hatte schneller reagiert. Meeeehrrr!Hmmmm. guuuut. Natürlich haben es auch die anderen Kumpels mitbekommen und unter dem Bett war ein Gedränge. Wenn nicht die Wurst wäre….

Wir erfreuten uns der vielen Wurststücke die unters Bett geschmissen wurden. Babsi nahm diese Ablenkung der Katzenfreunde als Anlass schnell unter dem Bett hervor, die Stiegen hinunter ins Freigehege zu stürmen. Sie ergriff die Flucht vor T. die nun mit weinerlicher Stimme immer wieder ihren Namen flüsterte. "Warum läuft Babsi vor mir weg?" Sie schnäuzte sich. "Sie hatte es doch mal soooo gut bei mir." Warum hast du sie dann verstoßen, dachte ich mir als Sissi auch schon antwortete. "Ist doch selbstverständlich. Babsi ist heute noch beleidigt und hat Ihnen noch nicht verziehen. Sie haben Babsi schwer gekränkt und ihr Vertrauen missbraucht, indem Sie sie verlassen haben und zu den vielen Katzen ins Heim gesteckt haben." "Ja, aber mein neuer Freund wollte keine Katzen, außerdem hatte er damals einen Hund. Es wäre unmöglich gegangen" erzählte Fr. T. mit Nachdruck, so als glaube sie selber, dass es der einzige Ausweg war. Sie redete dann auch wie ein Wasserfall weiter "Ich lebe in Trennung und wenn mein Freund ausgezogen ist, überlege ich mir die Babsi wieder bei mir aufzunehmen". Mich traf der Schlag, sah Sissi an, dass auch sie bestürzt drein schaute. Genauso einen entsetzten, traurigen Blick hatte Sissi damals als uns Babsi von Fr. T. und deren neuen Freund gebracht wurde……….

Ein Tag wie jeder andere. Ich half Sissi beim Briefe schreiben. "Laß den Kuli aus" versuchte sie streng zu sagen. Lachte aber dabei, was mich natürlich zum Weiterspielen animierte. Es läutete. Frau T. - die wir damals noch nicht kannten- und ein finster dreinblickender Mann standen mit einem Katzenkorb in der Türe. Ich interessierte mich gleich für die hübsche Katze die angstvoll aus dem Käfig blickte. Sissi nahm Babsi und brachte sie in "das" Zimmer. Dieses Zimmer haben wir alle kennengelernt. Da kommen alle "Neuen" rein. Zum Eingewöhnen sagt Sissi. Frau T. weinte, der Mann musste einstweilen etliche Kumpels abwehren. Zwar merkten wir seine Abscheu Katzen gegenüber, aber gerade das machte Spass.

Er stand steif in der Mitte des Raumes, so , dass keine Pfote an ihn rankommen konnte. Ich sah das nahende Unheil, freute mich schon auf seine Reaktion. Süsse fixierte ihn an und sprang mit einem Satz unter Mithilfe ihrer Krallen auf seine Schulter. "Auuuuu, blödes Vieh" schrie er schmerzerfüllt und tanzte durch den Raum um die Süsse abzuwimmeln. Diese aber klammerte sich noch fester an seine Schulter, damit sie die Balance halten konnte. Sissi kam zu Hilfe. Sie konnte das schmunzeln nicht verbergen, nahm die Süsse von der Schulter des Mannes, tätschelte sie liebevoll, setzte sie, nicht ohne ihr einen Kuß auf die Stirne zu geben auf den Boden. Der Mann stürmte aus dem Haus ohne sich zu verabschieden. Wir sahen ihn nie wieder. "Eigentlich liebt er Tiere, er kann es nur nicht zeigen", sagte Frau T. und bat Sissi Babsi besuchen zu dürfen. Sie ging noch mal in das Zimmer zu ihr. Wir standen vor der Türe und lauschten. "Babsi, verzeih mir, aber ich fange ein neues Leben an" sagte sie mehr zu sich selber. "Daß sie sich versteckt ist normal", hörten wir Sissi sagen. "Es kann sogar Wochen dauern. Die Arme versteht nicht, warum sie auf einmal abgeschoben wird". " Ich will sie ja nicht abschieben, aber es geht nicht mit dem Hund. Sie geht auf den kleinen Hund meines Freundes los" rechtfertigte sich Frau T.

Babsi hat lange gebraucht bis sie sich mit der neuen Familie abgefunden hat. Sie ging sogar in Hungerstreik. Machte psychisch bedingte Krankheiten durch. Nach ein paar Wochen aber war sie hier ganz Daheim , fand viele neue Freunde und Spielgefährten. Ihre größte Liebe ist Rex. Ihr hört richtig- Rex ist ein Hundename- es ist auch ein Hund der großen Tierfamilie hier. Von wegen sie kratzt Hunde. Ich kann sie noch so lieb umgarnen, wenn Rex es sich auf der Bank bequem macht, ist Babsi sofort bei ihm. Sie liebt hier alle und jeden. Aber besonders liebt sie Hunde. Sie liebt wie wir alle auch Besuch. Nur einen einzigen will sie nicht. Nämlich den Besuch von Frau T. Sie alleine weiß warum. Aprobos Frau T. hat nun wieder eine neue Katze und kommt sowieso nicht mehr. Vorerst- bis vielleicht der nächste Mann in ihr Leben tritt, der keine Katze möchte? Diese Neue hat ein ungewisses Glück auf Zeit bei dieser Frau gepachtet. Es sei denn, der neue Freund liebt Katzen, wäre wünschenswert für dieses noch unbeschwerte Wesen.

Viele Leute kommen hierher und wollen gerade bei uns ihre Katze abgeben. Sie meinen, dass sie die Katze hier lieber sehen als im Tierschutzhaus. Natürlich fühlen sich hier die meisten Katzen glücklich und zufrieden. Aber bis dahin ist es ein langer, fürchterlicher und stressiger Weg für jedes einzelne Tier. Jede Umstellung ist gerade für eine Katze ganz furchtbar. Noch dazu, wenn in dem Haushalt etliche andere Katzen wohnen. Sie müssen sich mit fremden Menschen, fremder Umgebung und vielen anderen Tieren abfinden. Viele Katzen werden psychisch krank, leiden dann unter Schnupfen, Herpes etc…. Das Immunsystem spielt verrückt. Erst wenn sie merken, dass hier nichts passiert, sie soviel Liebe bekommen, wie es nur möglich ist, tauen die Katzen auf.

Das kann ein langer Prozess sein. Manche sind in einer Woche hier zuhause, manche brauchen Monate. Und diese sind ganz schrecklich für die armen Tiere.Bitte überlegen Sie vor der Anschaffung, ob Sie das Tier auch bis ans Lebensende behalten können oder wollen. Sind nur einige Bedenken, schaffen Sie sich kein Tier an. Viele glauben ein reines Gewissen zu haben, wenn sie das Tier hier abgegeben haben, einigen Menschen würde ich vergönnen, dass sie die leidvollen Wochen mit durcherleben müssen , wie es das Tier hier durchmachen muß. Und nicht nur hier- sondern in jedem Tierheim.

Manchen Menschen bleibt dies nicht erspart und die müssen diesen Weg schweren Herzens gehen, aber die meisten Abgaben sind unnötig. Da gab es Katzen die weg mussten, weil sie das Computerkabel abgebissen haben. Die Kehrseite- da gibt es immer noch eine liebevolle Katzenhalterin, die ihren Kater vermisst, der dies auch gerne gemacht hat. Sie wäre überglücklich, würde sie zwar keine Kabel , aber ihren Kater wieder haben. Die meisten Katzen verlieren während einer Schwangerschaft des Frauerls den Platz. Ein Grund??? Für Tierliebhaber , niemals. Andere verlieren den Platz wegen Allergie des Kindes.

Wenn es um dies geht, müssten 80 Prozent der Kinder auf Katzen allergisch sein. Ausrede-oder wahr? Keiner weiß es. Zweimal fragen im Schnitt die Leute nach den Katzen nach und dann sind sie vergessen. Fremden Menschen anvertraut, in eine ungewisse Zukunft gegeben. Denn würde ich die Katze jedem mitgeben, der sich hier um eine meldet, könnte das Elend dieser Katze noch verschlechtert werden. Es liegt dann in der Hand des Tierheimes wie das Leben der Katze weitergehen soll. Und ich achte darauf, dass sich das jeweilige Tier das Leben nur verbessern und niemals verschlechtern kann.

Ende gut - alles gut

Vorhin sprach ich die nette Katzenhalterin an, die ihren rot-weißen Kater schmerzlichst vermisst. Es ist jene Frau, die immer wieder Kabel erneuern musste und es liebend gerne in Kauf genommen hätte, wäre nur der Kater wieder aufgetaucht.

Mittlerweile sind schon zwei Monate vergangen und die Frau suchte unermüdlich nach ihrem Kater weiter. Ich bekam einen Anruf von einer Dame, die eine Schildpattperserkatze geborgen hat. Diese war ziemlich verwahrlost und ausgetrocknet. Sie war ganz arm dran. Ich bat diese Frau dieser armen Perser ein vorübergehendes Daheim zu geben.

Mit gemischten Gefühlen nahm die Familie auch die kleine, alte Katze auf. Nach einer Woche sagte mir die Familie, dass sie die Katze behalten werden. Ich freute mich für diese Katze riesig und meinte dann, dass das vielleicht sogar Glück bringen wird. Vielleicht bringt die Perser den vermissten Kater zurück. Irgendwie war es dann auch so.

Denn die Familie fuhr in Urlaub und kurz zuvor hängte sie neue Vermisstenzettel aus. Eine Nachbarin kümmerte sich während der Urlaubszeit um die kleine Perserkatze. Am zweiten Tag als sie wieder bei der Perserkatze war, sah sie den vermissten Kater im Garten sitzen. Sie holte diesen gleich ins Haus und rief überglücklich die Familie an. Hätte die kleine, alte, heimatlose Katze nicht Aufnahme bei der Familie gefunden, wäre der Kater sicherlich weitergewandert wenn die Türe verschlossen geblieben wäre. 14 Tage sind eine lange Zeit und ohne seine Menschen, Futter etc. wäre er sicherlich nicht im Garten geblieben.

Nun müssen die beiden Katzen noch Freundschaft schließen und das Glück ist dann für alle perfekt. Ein Dankeschön an die liebe Familie, dass sie die Katze trotzdem dass der Kater zurück ist, behalten.
Wir sind auf Ihre Hilfe angewiesen!
SPENDEN

Bitte überweisen Sie Ihre Spende auf folgendes Konto: Tierhilfe Gerasdorf
Erste Österreichische Sparkasse
Konto Nr. 25425293
BLZ 20111 IBAN: AT232011100025425293
BIC/SWIFT: GIBAATWWXXX
Vielen, vielen Dank!