Tibbi's wundervolle Rettung
Endlose Tage litt ich unter panischer Angst, schrecklichen Hunger, Durst und Einsamkeit. Wie ich aus diesem Alptraum befreit wurde und nun Einzug in ein paradiesisches Leben gefunden habe, will ich euch nicht vorenthalten.

Meine Geschwister und ich kamen in „Freiheit“ zur Welt. Dass diese Freiheit schrecklich sein kann, erfuhr ich schmerzlichst am eigenen Leib. Unsere Mama hatte kein Daheim und damit auch kein regelmässiges Futter. Sie versorgte uns aber rührend und uns fehlte es an nichts. Wir bekamen ja die Sorgen unserer Mama nicht mit. Sie lehrte uns schon zeitig, dass wir uns vor den Menschen in acht nehmen sollen. Ist ja logisch, unsere Mama kannte diese riesigen Zweibeiner nicht. Hatte niemals etwas zu tun mit diesen. Manchmal verschwand unsere Mama für kurze Zeit um Futter zu suchen oder zu erbetteln. Wir warteten in unserem sicheren Versteck bis sie wiederkommt. Sie musste jedes Mal die Brünnerstrasse überqueren. Eines Tages kam sie nicht mehr.

Wir waren gerade erst 4 Wochen alt und ohne die sichere Mamapfote sehr hilflos. Der Hunger trieb uns dann aus unserem Versteck. Unsere Schwester wagte sich als erstes aus diesem. Sie war auf der Suche nach Mama und nach Futter. Aus sicherer Entfernung sahen wir, dass unsere Schwester von einem Menschen gepackt wird. Sie wollte noch davonlaufen und hat sich auch wehren wollen, doch die Hände waren stärker. Damals wussten wir ja nicht, dass diese grossen, furchterregenden Hände in Wirklichkeit einem lieben Menschen gehört haben, der unsere Schwester in ein Zimmer auf dem Autoplatz eingesperrt hat und diese musste ab diesem Zeitpunkt nicht mehr hungern. Später erfuhr ich, dass unsere Schwester nach einer Woche von Sissi abgeholt und auf einen neuen Platz gebracht wurde. Auch, dass Sissi und der Mann nach uns Ausschau gehalten haben, damit wir auch gerettet werden können. Inzwischen waren wir vor lauter Hunger so abgemagert und ausgetrocknet. Trotz grosser Angst ohne Mama wagte ich mich auf Futtersuche weiter weg. Leute haben mir dabei zugesehen, wie ich Hundekot gefressen habe um zu überleben. Doch als diese mich fangen wollten, rannte ich aus Angst erneut davon.

Bis zu dem Tag wo ich in der nahegelegenen Mülldeponie nach Futter suchte und mich im Sack verfangen habe. Durch das viele Hungern hatte ich keine Kraft mehr um vor den Menschen zu fliehen. Starke Hände packten mich und setzten mich in eine Schachtel. Ich war vor Angst gelähmt. Kurz darauf kam Sissi die mir sofort vor Ort eine Schüssel mit herrlich riechendem Futter unter die Nase hielt. Meine Angst war verflogen. Mich hat nur mehr das Futter interessiert. Ich bekam rundherum nichts mehr mit. Auch nicht, als Sissi mich mit dem Schüsserl in den Transporter setzte. Ich frass die ganze Autofahrt bis nach Hause. Sofort hab ich mich mit Sissi angefreundet und hatte auch gleich Zutrauen. Auch als sie mich noch am selben Tag zum Tierarzt fuhr. Im Transporter musste ich Kot lassen und wollte diesen sofort wieder fressen. Macht der Gewohnheit. Sissi hatte Mühe mich davon abzuhalten. Der Tierarzt war ganz lieb zu mir , gab mir aber unheimlich viel Flüssigkeit mit einer Nadel in meinen Körper. Aber das Stechen hab ich nicht gespürt, weil ich auf dem Tisch Leckerlis zu fressen bekommen habe und da war ich natürlich abgelenkt. Ich wollte nur mehr fressen. Könnt ihr das verstehen? Ich hörte wie der Tierarzt zu Sissi sagte, dass es sein kann, dass ich es nicht schaffen werde weil ich gar so dürr und ausgetrocknet war. Aber da hat er nicht mit meinem Lebenswillen und Sissis Ehrgeiz gerechnet.

Fotos vom Juli 2007


Stetig ging es mit mir bergauf. Die vielen Katzen bei Sissi waren lieb zu mir , aber dennoch waren mir die Menschen viel lieber. Sobald Sissi aus meinem Blickwinkel war, musste ich weinen. Die Angst wieder verlassen zu werden war riesengross und ich konnte die erste Zeit nicht ruhig schlafen. Erst als ich merkte, dass ich in Sicherheit bin und mir nichts mehr passiert und ich regelmässig Futter bekam, wurde ich sicherer. Sissi fuhr oft weg um nach meinen anderen Geschwistern zu suchen, aber sie kam immer alleine zurück. Wie gerne hätte ich ihnen gesagt, dass sie vor den Menschen keine Angst haben brauchen. Ach Mama, schade dass du diese herrliche Menschenerfahrung nicht machen durftest. Es ist so schön auf warmen, weichen Decken zu liegen und keine Futtersorgen zu haben. Man muss auch nicht immer auf der Flucht vor Gefahren sein. Ich genoss jeden Tag intensiv und zeigte meine Dankbarkeit in extremer Anhänglichkeit. Zu gerne hätte ich meine Menschen alleine für mich.

Seit Tagen hörte ich Sissi am Telefon wie sie über mich erzählte. Sie ist etwas „Besonderes“. Na ja, da kann nur ich damit gemeint sein. Sie erzählte auch meine Geschichte.

Eines Tages musste ich wieder in den Transporter. Der machte mir keine Angst, denn der Tierarzt tat mir niemals weh. Nur die Augensalbe mochte ich nicht so gerne, die brauch ich aber, weil ich mich verletzt habe und nun auf einem Auge fast blind war.

Aber diesmal ging die Fahrt nicht zum Tierarzt, sondern in ein fremdes Haus. Damals wusste ich nicht, dass ich in mein neues, endgültiges Daheim gebracht werden sollte. Da meine Menschen dabei waren hatte ich auch keine Angst. Die beiden neuen Menschen waren so lieb zu mir und haben mit mir gespielt. Ich tollte in der neuen Umgebung mit den Fellmäusen herum und war mit mir und meiner Welt zufrieden. Ich merkte auch nicht, dass meine Menschen gegangen sind. Zu sehr aufgeregt war ich über die neue Umgebung und die vielen neuen Eindrücke. Mir geht es so gut, dass ich aus dem Katzenparadies in welchem ich gelandet bin, Briefe an Sissi schreibe. Natürlich gibt es auch Fotos dazu. So nimmt sie immer noch Anteil an meinem Leben und meiner Zukunft. Und Leute, ich muss euch sagen, DAS LEBEN IST HERRLICH. Vor allen Dingen gehört zu den beiden neuen Menschen noch ein kleiner Mensch. Und alle drei gehören nun mir. Mir ganz alleine. Sissi du verzeihst- ich liebe meine Menschen nun abgöttisch und habe die Vergangenheit vergessen.

Vor kurzem erfuhr ich, dass mein Bruder tot in einem Gebüsch aufgefunden worden ist. Er hat es leider nicht geschafft. War es die Angst vor den Menschen, die Unsicherheit ohne Mama oder was auch immer. Ich hoffe, dass er nun mit Mama vereint über uns wacht.

Mir tut so sehr leid, dass mein Bruder nur Angst, Hunger und Einsamkeit kennengelernt hat.

Fotos vom August 2007


Brief von Tibbi (21. August 2007)

Liebe Sissi, ich wollte mich mal melden und dir von meinem neuen Leben in Gerasdorf/Föhrenhain erzählen. Wohne jetzt mit Luca, Fritzi und Petra gemeinsam in einem Haus. Hier gibt es wahnsinnig viel Spielzeug und geheime Plätzchen zum Verstecken. Ich habe richtig viel Spaß mit meinen neuen Mitbewohnern und es kommen viele Freunde und himmeln mich an. Das macht mich fast schon verlegen ;-)) Lustig finde ich auch, dass ich meine 10 Mäuschen jeden Tag unter die verschiedenen Kästen schieße und Petra dann knieend und mit einem Kochlöffel bewaffnet und mit großer Mühe wieder alles hervorholt. Ich genieße es dabei zuzuschauen und erspähe meist alles vor ihr. Leider sind meine Händchen und Beinchen zu kurz, sonst würde ich das schon selbst erledigen - Ehrensache. Das Essen ist erstklassig und ich musste noch kein einziges Mal maunzen um sie darauf aufmerksam zu machen, dass es Zeit für ein Mahl wäre. Ich war schon 2 Mal beim Arzt. Die erste Medikation hat leider nicht geholfen. Ich war fürchterlich verkühlt. Aber das neue Mittel scheint zu wirken und mir geht es prima.
In der Nacht teilen wir uns ein Bett. Das ist kein Problem, ich bin ja so klein und schlafe tief und fest. Das schätzen die beiden sehr, weil sie ja früh raus müssen. Dann sind wir alle ausgeruht und ein neuer aufregender Tag kann beginnen.
Alles Liebe & ein herzliches Maunz
deine Tibbi
PS: Ganz liebe schnurrende Grüße an all meine Freunde in Seyring.

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